Thailands Massage-Tradition:

WIR MÖCHTEN WISSEN WEITERGEBEN

THAIZEIT im Interview mit dem Leiter der ältesten Massageschule der Welt im berühmten "WAT PO TEMPEL".


Die meisten Urlauber kennen Wat Po, einen der ältesten buddhistischen Tempel des Landes. Denn dort liegt in voller Pracht eine gigantische Buddhastatue, die auf jedem Sightseeing-Programm steht. Doch wussten Sie auch, dass dort die älteste Massageschule Thailands untergebracht ist? Hier kann man nicht nur eine spirituell beeinflusste Thai Massage in einem der Open-Air-Pavillons auf dem Tempelgelände geniessen, sondern seit 1962 auch die Kunst der traditionelle Thai-Massage in zweiwöchigen Ferienkursen erlernen. „Nuad Thai“, wie die Massagetechnik auf thailändisch genannt wird, ist ein Produkt alter orientalischer Medizin und mehr als 2.500 Jahre alt. Sie vereinigt Yoga und Akupressur-Techniken und stimuliert die Energiepunkte des Körpers. Seit 1962 hat sich die Schule suggsessiv vergrößert und ist nun ausser im Tempel auch in den Außenbezirken Bangkoks zu finden.
THAIZEIT im Gespräch mit Serat Tangtrongchitr, der die Schule in der dritter Generation leitet.


Wer kann bei Ihnen die Massage erlernen?


Jeder, der die notwendige Konzentration mitbringt, die eine Massage erfordert. Wir haben über 100 Lehrer hier, die in zehn verschiedenen Kursen unterrichten. Es gibt einwöchige Kurse, die viele Ausländer in Anspruch nehmen, um sich im Urlaub Basiswissen anzueignen, oder sich als Therapeut weiterzubilden. Einige unserer Profi-Kurse dauern zwei Jahre und werden  hauptsächlich von Thais in Anpruch genommen werden. Als Ausländer muss man übrigens nicht Thai sprechen, um massieren zu erlernen. Wir möchten unser Wissen weitergeben und die Sprache ist dabei keine Barriere.

Woher stammen Ihre Schüler größtenteils? Sind es eher Männer oder mehr Frauen?


60 Prozent sind Thais, die anderen Schüler stammen hauptsächlich aus Japan, Korea, Deutschland und Russland. Von den Ausländern sind etwa die Hälfte Männer, was daran liegt, dass in vielen Ländern mehr Männer den Beruf des Masseurs oder Therapeuten ausüben. Unter den Thai Schülern gibt es allerdings fast ausschließlich Frauen, die später in Massagesalons arbeiten.

Wieviele Schüler haben bei Ihnen schon gelernt?


Seit der Gründung der Schule waren es rund 300.000. Jeden Monat kommen etwa 1000 neue Absolventen dazu. Die zweijährige Ausbildung, mit der man auch in Krankenhäusern arbeiten oder als Massage-Lehrer bei uns tätig werden kann, liegt jedoch bei nur 100 Absolventen im Jahr. Es ist recht schwer, in Thailand ein Zertifikat zu bekommen, weil wir die gute Qualität und den guten Ruf unserer Ausbildung bewahren wollen.

Wie sieht der typische Tagesablauf Ihrer Schüler aus?

Therapeuten, die eine längere Ausbildung bei uns absolvieren, lernen gewöhnlich in der Chetawan Health School, die 50 Kilometer von Bangkok entfernt liegt. Man kann es sich wie auf einem Internat vorstellen. Nach sechs Stunden Training jeden Tag, gibt es dann noch eine Art Sportstunde, bei der Übungen gemacht werden, um sich besser zu konzentrieren, physisch fit zu bleiben und den eigenen Atem zu kontrollieren. Danach gibt es ein gemeinsames Abendessen und anschließend wird noch „Nachhilfe“ gegeben, wenn der Bedarf besteht. Die kürzeren Kursen werden nahe des Tempels von 9 bis 16 Uhr gelehrt. Das Besondere bei uns ist, dass ein Lehrer nur drei Schüler unterrichtet. Das macht die Ausbildung besonders gut und effektiv.

Gab es in den letzten Jahren Veränderungen in der Ausbildung und bei den Kundenwünschen?

Kurz nach der Gründung war noch eine Ausbildung von zwei bis fünf Jahren üblich. Damals war es Usus, dass der Schüler bei seinem Lehrer gewohnt hat und ihm den Haushalt führte. Im Gegenzug hat der Lehrer dem Schüler die Massagen beigebracht. Inzwischen ist dies nicht mehr üblich und die Ausbildung ist etwas leichter geworden. Heutzutage sind die Kunden gesundheitsbewusster und gehen immer früher zur Massage, um sich vom Stress zu befreien und zu entspannen. Das beginnt bereits im Kleinkindalter. Darauf stellen wir uns auch bei der Ausbildung ein.

Darf jeder in einem Massageladen arbeiten?

Per Gesetz ist es vorgeschrieben, dass ein Masseur nur dann massieren darf, wenn er ein Zertifikat von einer der 100 staatlich anerkannten Schulen in Thailand vorweisen kann.

Wat Po ist die bekannteste und älteste Massageschule der Welt. Welchen Unterschied zu anderen Schulen gibt es noch?

Bei uns liegt der Fokus auf der Praxis und nicht so sehr auf der Theorie, wie es in anderen Schulen üblich ist. 
  • In der nächsten Ausgabe publizieren wir den Erfahrungsbericht von einem Mitglied des THAIZEIT-Teams nach einen Massagekurs im Wat Po.


Der heilige buddhistische Tempel Wat Pho wurde bereits im 16. Jahrhundert gegründet und liegt in unmittelbarer Nähe des Königspalastes im Herzen Bangkoks. König Rama III eröffnete Mitte des 19. Jahrhunderts in diesem Tempel die erste öffentliche Universität, die für jedermann ungeachtet seiner Herkunft zugänglich war. Zahlreiche Textbücher wurden in Marmortafeln graviert und sind bis heute im Tempel ausgestellt - insbesondere Werke über die traditionellen thailändischen Heilkunst- und Thai-Massagen. Der menschliche Körper mit seinen therapeutisch relevanten Punkten und tausenden von Energiepfaden, auch „sen“ genannt, wurde damals intensiv erforscht. Die Studenten in Wat Pho erlernen noch heute Techniken, die auf dem Wissen von damals basieren.  Quelle: Wat Po / TAT WAT PO MASSAGE SCHOOL Ta-sahakon Building 392/25-28  Soi PenPhat 1, Maharat Rd.,   Bangkok Tel.: + 66 (0) 2622 3533 WatPoMassage.com

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