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MIT DEM FAHRRAD DURCH DEN GROSSSTADT-DSCHUNGEL

Für viele mag eine Fahrradtour durch Bangkok wie ein Albtraum klingen. Tatsächlich ist es aber ein Riesenspaß und man lernt mehr über die Stadt als bei so manch anderer Stadtrundfahrt.
Text: Alexander Grawe, Fotos: Pascal Nufer

Holländer fahren Fahrrad. Ist doch klar. Deshalb zweifele ich keinen Moment an Michiels Kompetenz. Er wird mich heute durch Bangkok führen – auf dem Fahrrad! Das stellt er, man braucht also sein eigenes nicht mitbringen. Etwas enttäuscht bin ich schon, eigentlich hatte ich mir vorgestellt, dass mich nun auch ein echtes Hollandrad erwartet – stattdessen steht in Michiels Hauptquartier eine ganze Batterie von recht neuen Mountainbikes.

„Helme gibt es nicht! Ihr schwitzt darunter und dann rutscht der Helm über die Augen und man sieht nichts mehr. Steigert nur die Unfallgefahr!“ Die Fahrradsättel werden ungewohnt niedrig eingestellt, so dass man auf dem Sattel sitzend beide Füße platt auf den Boden stellen kann. So kann man jederzeit, wenn man sich unsicher fühlt, die Füße vom Pedal nehmen ohne zu kippeln. Neun Leute wagen heute morgen das Abenteuer auf zwei Rädern.

DURCH BANGKOKS RUSH-HOUR

Und schließlich radeln wir los, links auf die Sukhumvit. Vor dem Einkaufszentrum Emporium her, zwischen Bussen, LKWs und Taxis schlängeln wir uns wie einMotorradtaxifahrer durch den dichten Verkehr. Für viele ist das wahrscheinlich schon der abenteuerlichste Teil der Tour. Aber komischerweise kommt es mir gar nicht gefährlich vor. Erstens sind wir eine große Gruppe, man wird also nicht übersehen und zweitens fährt
Michel immer vorweg, seine Assistentin On bildet stets das Schlusslicht. Vor allem aber sind Bangkoks Autofahrer für einen kurzen Moment so über die Horde Farang auf ahrrädern mitten in der morgendlichen Rush- Hour erstaunt, dass sie kurz vergessen, wie gewohnt zu drängeln und zu schneiden.

WO SIND WIR?

In die Soi 18 biegen wir links ein und stoppen dort kurz an der Baustelle der neuen Millennium Tower, bevor es in enge Gassen ohne Autoverkehr geht. „Ich hatte schon Kunden die seit zehn Jahren in Bangkok leben und drei Minuten nach Abfahrt mich gefragt haben: ‚Wo zum Teufel sind wir?’“ erzählt mir Michel. Für mich ist es auch Neuland – mitten in der Sukhumvit Gegend, die jeder Ausländer der in Bangkok lebt eigentlich glaubt zu kennen wie seine Westentasche, steht man plötzlich in einem chinesisch geprägten Viertel mit kleinen Handwerksbetrieben. Vor allem Schuhe werden hier offenbar produziert.

Wir plaudern mit einem Schuster der handgemachte Schuhe für 200 Baht herstellt, ein ganzes Stück weiter verkokelt eine Frau Schweinehaxen mit einem Gasbrenner. Michel erklärt uns, dass die Haxen dadurch haltbarer werden. Noch mehr Ungewöhnliches erwartet uns auf dem Klong Toey Markt. Durch die Fleischabteilung würden die meisten am liebsten schnell durchbrausen. Geht aber nicht, durch das Marktgedränge müssen wir die Fahrräder schieben. Die Obstabteilung hingegen ist bunt und duftet verführerisch, hier könnte ich mir den ganzen Fahrradkorb voll laden. Michiel macht genau das und wenige Minuten später machen wir die erste Rast. In einem kleinen Park serviert er köstliche Rambutan.

MIT DEM RAD ÜBERN FLUSS

Am Klong Toey Express Boat Pier werden unsere Fahrräder auf ein Longtail-Boot verladen und wir überqueren den Chao Phraya. Auf der anderen Seite ist Bang Krachao – ein Paradies für Radfahrer. Der Fluss bildet eine natürliche Grenze zum lauten Bangkok und bisher haben die Immobilien-Entwickler es noch nicht für sich entdeckt. Man muss Bangkok also nicht mal verlassen um im Dschungel zu radeln. Wir passieren Mangrovenwälder, Kokosnussplantagen und Duriangärten. Die meiste Zeit radelt man auf recht schmalen, vielleicht ein Meter breiten, recht hohen Stegen, darunter kleine Kanäle – wer sich unsicher fühlt, kann allerdings auch jederzeit mit Michiels Assistentin On einen anderen einfacheren Weg fahren und später die Gruppe wieder treffen. Von Bangkoks Verkehrslärm hört man nichts mehr, unter dem Blätterdach ist es angenehm kühl. In alten Holzhäusern auf Stelzen leben hier die Menschen noch und auch wenn die meisten inzwischen in Bangkok arbeiten, betreiben viele hier noch Obstanbau. Wir stoppen kurz am Tempel Wat Bang Nam Phueng Nok und machen in einer kleinen Garküche mitten im Wald die zweite Rast. Mit dem Longtail-Boot geht es wieder zurück auf die andere Flussseite ins altbekannte Bangkok – Bang Krachao kommt einem dort vor wie ein Traum. Insgesamt waren wir nur rund vier Stunden unterwegs und haben Bangkok ganz neu kennengelernt.

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INFOBOX

Der sehr freundliche Michiel Hoes lebt seit mehr als 15 Jahren in Bangkok und veranstaltet seit sieben Jahren Fahrradtouren in Thailand. Die Tour, die wir gemacht haben, ist die kürzeste und kostet 1000 Baht (rund 20 Euro). Auf der Internetseite www.realasia. net fi ndet man alle Touren ausführlich beschrieben.

ABC – ABC Amazing Bangkok Cyclist Ltd.
10/5-7 Soi Aree, Sukhumvit Road Soi 26
Tel: 66 (0) 2665 6364
Fax: 66 (0) 2261 8593
Mobile: 66 (0) 8181 29641
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